6. Such- und Besucherverhalten von Internetnutzern

Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass die Mehrheit der Erdbevölkerung einen Internetzugang hat. Noch interessanter erscheint die Tatsache, dass die Gruppe von Menschen, die sich das Leben weiterhin ohne Internet nicht vorstellen können, immer größer wird. Im Internet zu surfen, ist heutzutage die breit verbreitetste „Droge“, die die Massen „konsumieren“. Das Internet stellt eine globale Plattform für Medienpräsenz dar, die für alle zugänglich ist. Jede Firma, jedes Unternehmen, jeder Dienstleister und sogar die Institutionen eines Landes verfügen über einen Online-Portal. Die Online-Welt verkörpert ein bahnbrechendes Kommunikations- und Informationsmittel, das für die Internetbesucher viele Chancen und zahlreiche Entfaltungsmöglichkeiten öffnet. Das Erstaunliche dabei ist, dass die Richtung, in die sich WWW entwickelt, eigentlich von den Online-Usern selbst bestimmt wird. Diese Kausalkette entsteht aufgrund des Such- und Besucherverhaltens von Webnutzern. Dieses Thema ist genau so alt wie das Internet selbst. Im Laufe der Zeit wurden jede Menge Studien zum Suchverhalten in Suchmaschinen gemacht, die zum einen festgestellt haben, dass das Suchverhalten eine von Geschlecht, Bildungsstand, Anstellungsverhältnis und von vorhandener Erfahrung mit dem Internet abhängige Variable darstellt, und zum anderen, dass dieses eine wichtiger Faktor für das Definieren des PageRank-Werts einer Seite ist. Deshalb ist es besonders wichtig bei der Optimierung einer Webseite, nicht nur einen sehr informativen, aktuellen und interessanten Content zu verfassen, sondern auch die Besucher davon zu überzeugen, dass diese Seite die Richtige für sie ist. Damit das realisierbar ist, sollte sich der Suchmaschinenoptimierer in den suchenden Personen reinversetzen. Nur auf diese Weise bekommt er eine objektive Vorstellung davon, was für Suchgewohnheiten, Neigungen und Antipathien die Online-Nutzer haben. Alle diese Suchverhaltenselemente müssen auf alle Fällen bei dem Prozess der Suchmaschinenoptimierung berücksichtigt werden.

Wie wird aber das Suchverhalten gesteuert? Gibt es irgendwelche Suchstrategien? Wie gehen überhaupt die Online-Benutzer vor? Wie wird gesucht?…

Die Suchaktivität eines Besuchers im Netz findet erstmal mit dem Ziel statt, digitale Quellen zu entdecken, die ihm die bestmöglichste Informationsmenge zu einem bestimmten Thema zur Verfügung stellen können. In der heutigen virtuellen Welt stellt vor allem Google dieser Ausgangspunkt dar, der zu weiteren ausführlichen Informationsportalen und Dokumenten führt. Darüber hinaus geben im Netz zahlreiche Webkataloge, Artikelverzeichnisse, Linklisten oder Communities dem Online-Benutzer die Möglichkeit, für sich die relevanteste und vertrauenswürdigste Quelle zu finden, um die notwendigsten und gewünschten Informationen zu beschaffen. Deshalb ist es für einen Webbetreiber besonders ausschlaggebend, seine Seite auf ein hochqualitatives und hochquantitatives Niveau zu gestalten. Die gute und einzigartige Qualität sorgt dafür, das Vertrauen den Benutzern zu gewinnen, und die Quantität von Informationen beeinflusst die Entscheidung, die Seite regelmäßig zu besuchen und sie sogar zu bookmarken. Eine Webseite zu favorisieren und diese dauerhaft zu verfolgen, ist eigentlich das Beste, was ihr passieren kann. Die Anzahl der Fans einer Internetseite ist das beste Maß für die Arbeit der Optimierer. Je mehr starke, hochqualitative, informative und sachliche Webpräsenz einer Webseite aufweist, desto mehr Fans hat sie.

Nicht aber alle User benutzen das Internet, um eine Quellenbeschaffung durchzuführen. Sehr oft kommt es vor, dass die suchende Person kein konkretes Ziel hat, sondern verfolgt die einzelnen Links absolut willkürlich. Diese Art des Suchverhaltens ähnelt sehr einer Kettenreaktion. Man macht sich auf die Tour von einer Seite zur anderen und folgt nur diese, die für ihn in diesem Augenblick interessant erscheinen. In diesem Fall hat der User keinen streng definierten Informationsbedarf, vielmehr zählt dabei der Neugier und natürlich der Wunsch, was Aufregendes zu finden. Für den Optimierer besteht die Möglichkeit, diese Online-Besucher mittels Querverlinkungen anzusprechen. Die gegenseitige Verlinkung von thematisch ähnlichen Dateien und Dokumenten zwischen den verschiedenen Webseiten, werden für die „Ketten-User“ besonders interessant.

Ein sehr oft zu sehenden Suchverhalten ist die Überprüfung einer Seite nach bestimmten auffälligen Merkmalen wie Menüpunkte, Überschriften, Fett-Markierungen, Bilder oder Grafiken. Auf diese Weise erfährt der User, ob die gefundenen Seite seiner Erwartungen und Bedürfnissen entspricht. Wenn das der Fall ist, dann wird die Webseite gründlich in Visier genommen. Um eine Webseite die Scanning-Prüfung bestehen kann, sollten ihre OnPage-Optimierungsfaktoren perfekt ausgeführt werden, damit die Seite eine gute Usability (die Benutzerfreundlichkeit der Navigation der Webseite) aufweisen kann. Das Info-Scanning erfordert eine ungefähre Vorstellung des Users, was für Informationen er braucht. Ob er die richtigen Quellen finden würde, hängt auch von der Sucheingabe ab. Sie muss möglichst exakter und präziser formuliert werden.

Das Selektieren von gefundenen Informationsquellen ist auch eine sehr breitverbreitete Suchverhaltensstrategie. Dieser Prozess verläuft, wenn der User mehrere Webseiten zu einem bestimmten Thema miteinander vergleicht. Es gibt keine festgelegten Vergleichskriterien. Der Online-Besucher ist derjenige, der die Unterscheidungsmerkmale definiert. D.h. sie sind subjektiv veranlagt. Ob man eine Informationsquelle als seriös einstuft, ist auch davon abhängig, wie der erste Eindruck von der Webseite ist. Darüber hinaus sind auch die Meinungen, Empfehlungen und die Erfahrungsberichte von anderen Benutzern ein relevanter Faktor für die Wahrnehmung einer Seite. Für den Suchmaschinenoptimierungsprozess setzt das eine Berücksichtigung der Erwartungen und der Ansprüchen der Zielgruppe voraus.

Manche Online-Nutzer zeigen ein sehr intensives Suchverhalten. Sie führen eine ausgiebige Analyse des Informationsbestandes einer Seite. In diesem Fall achten diese User auf die Anzahl der Fremdlinks und der Backlinks, auf die Empfehlungen von Forenmitglieder oder einfach auf die Ergebnisse von Statistikuntersuchungen.

Eine Google-Studie „Full Value of Search” (http://full-value-of-search.de/) vom Jahr 2008 stellte fest, dass beispielweise bei einer produktorientierten Suche die potenziellen Kunden nur auf die ersten 5-6 platzierten Webseiten anklicken würden. Dasselbe gilt auch, wenn keine Adwords Anzeigen angezeigt werden. Wenn aber oben in den Suchergebnissen auch z.B. 2 Adwords Anzeigen (Abbildung 33) eingeblendet werden, dann werden weniger als die Hälfte der Google-Nutzer, laut der Google-Studie, auf die darunterliegenden Ergebnisse anklicken.

„Full Value of Search“ zeigte, dass nur 6% der in Google Suchenden die Ergebnisse, die sich nach der dritten Seite befinden, anschauen und berücksichtigen.

Die von der Studie erfassten Feststellungen hinsichtlich des Suchverhaltens lassen sich damit erklären, dass die User nach einer nicht erfolgreichen und zufriedenstellenden Suche ihre Sucheingabe ändern und präzisieren. Deshalb konzentriert sich die Suchmaschinenoptimierung darauf, die Webseiten so zu gestalten, damit sie auf eine Top-Platzierung gelangen können, d.h. die erste höchstens 10 Ergebnisse einer Suchanfrage.

Außer dem Suchverhalten ist auch das Besucherverhalten für das Ranking einer Internetseite entscheidend. Der Zeitraum, in dem einen Besucher auf die Seite verbracht hat, beeinflusst den PageRank-Wert dieser Seite.

Mittels der Durchführung einer Logfiles-Analyse lässt sich exakt herausfinden, wie die Besucher auf die Seite gekommen sind, wie viele User die Seite besucht haben und wie lange hat der Aufenthalt gedauert. Dabei ist der Wert der Verweildauer eine wichtige Variable, die vieles über die Qualität der Webseite aussagt. Eine kurze Besuchszeitspanne deutet darauf hin, und es wird von den Suchmaschinen auch so eingenommen, dass die entsprechende Webseite keine interessanten und nur oberflächlichen Informationen liefert. Zeigt aber die Logfiles-Analyse eine lange Verweildauer auf einer Seite, bedeutet das, dass sich auf diese Webseite sachliche und inhaltsreiche Materialien befinden. In diesem Fall fühlt sich der Besucher angesprochen und „eingeladen“, die Seite gründlich zu untersuchen und vielleicht unter seinen Favoriten zu speichern. Dafür sorgt natürlich eine übersichtliche, professionell gestaltete und mit aktuellem Informationsstoff „ausgerüstete“ Webseite.